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Pile-Up auf den Faeroer-Inseln (OY) Seite 4

Ende der ersten Woche verabschiedete sich die FL 2277. In einem Funkenregen und mit einem mächtigen Knall ging sie in den "Amateurfunkhimmel" ein. Wiederbelebungsversuche waren mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich. Jetzt hatten wir nur noch 1 x 400 Watt und 2 x 100 Watt zur Verfügung. Da auch die andere Endstufe am Vortag Rauchzeichen von sich gegeben hatte, waren unsere Gefühle sehr gemischt, aber sie hielt tatsächlich bis zum Schluß durch.

Claus-Dieter wurde nicht müde, immer wieder irgendwelche Antennen zu optimieren, nach und nach wurden wir auch auf den WARC-Bändern aktiv. Oft saß er, mit Block, Bleistift und Taschenrechner "bewaffnet", in Gedanken versunken, um dann plötzlich aufzuspringen, sich Sturm und Regen auszusetzen und einer gerade nicht verwendeten Antenne zu Leibe zu rücken, um schließlich mit den Worten "Versuch’s doch jetzt mal das Band", zurückzukehren. Meistens gab ihm der Erfolg recht, wir hatten wieder ein Band mehr zur Verfügung.

Die notwendigen Lebensmittel kauften wir regelmäßig im Supermarkt, in dem, wie selbst in kleineren Geschäften, mit Kreditkarte bezahlt werden konnte. Hin und wieder gab es auch Kyllings (gegrilltes Hähnchen) oder Fish & Chips.

Für die warme Verpflegung zeichnete überwiegend Michael verantwortlich, er war ein recht guter Koch. Natürlich wollten wir auch einmal frischen Fisch essen. So machten wir uns auf zum Hafen, wo wir eine Fischfabrik entdeckt hatten. Vor dem großen Eingangstor sprachen wir einen Arbeiter an, der sich auf einer Holzpalette herumlümmelte und die Sonne genoß. Er verwies uns an einen Vorarbeiter, der uns in die Halle mitnahm und dann jemanden holte, der für den Verkauf zuständig war. Wir entschieden uns für Dorsch und er kletterte dann auf die gestapelten Plastikkästen, in denen der verarbeitete und mit Eis bedeckte Fisch gelagert wurde. Sodann wurden drei Fische in eine leere Kiste geworfen. Wir wählten die beiden größten Fische aus (jeweils ca. 50 cm lang) und fragten nach dem Preis. Der Verkäufer murmelte etwas, das sich wie 75 Kronen (ca. 20,-- DM) anhörte. Als Reinhard ihm das Geld geben wollte, stellte sich heraus, daß jedoch nur 25 Kronen (also rd. 6,-- DM) gemeint waren. Wir bezahlten und packten die Fische ein. Der Verkäufer hatte allerdings wohl keine Lust, nochmals auf die Kästen zu klettern und den dritten Dorsch wieder zurückzulegen; so gab er ihn uns als kostenlose Zugabe noch dazu. Für das Filettieren war Reinhard zuständig. Mit etwas Butter gebraten und dazu nur Salzkartoffeln, "fraßen" wir wie die Weltmeister, bis unsere Bäuche fast platzten; es war ein köstliches Mahl. Fisch soll ja, so sagt zumindest der Volksmund, schwimmen. Also genehmigten wir uns darauf einige Flaschen Bier. Dabei ging dann allerdings die Ersparnis des billigen Fischkaufs wieder drauf. Alkohol ist bekanntlich in den skandinavischen Ländern sehr teuer. So kostet eine Kiste Bier rd. 80,-- DM und selbst das "leichte" Bier (2,5 % vol.) ist nur geringfügig billiger. Wenn man nicht gerade betucht ist, wird man entweder arm oder Antialkoholiker.

Natürlich sahen wir uns auch die Inseln näher an. Empfehlen können wir den Besuch der Vogelinseln, wo Hunderttausende von Vögeln brüten und ihren Nachwuchs großziehen. Aber auch ein Besuch der Hauptstadt ist lohnenswert. Selbst kurz nach Mitternacht waren die Straßen und Gasthäuser mehr als voll bzw. gut besucht.

Dem örtlichen Amateurfunkclub statteten wir ebenfalls einen Besuch ab. Große, stabile Stahlgittermasten mit Kurzwellenbeams rahmen das Gebäude ein.

Die anwesenden Mitglieder erzählten uns, daß es oftmals sehr schwer sei, auf UKW Kontakt zum Festland zu bekommen. Wenn es aber bei guten Bedingungen doch gelänge, sei das Pile-Up so groß wie auf der kurzen Welle. Wir erfuhren auch, wie problematisch es ist, größere Antennenanlagen auf den Faeroer-Inseln zu errichten. Gewaltige Stürme machen diese Vorhaben immer wieder zunichte. Ein 5-Ele-Beam für 40 m wurde uns gezeigt. Keine 3 Monate hatte dieser heil überstanden. Zertrümmert und in 3 Teile zerbrochen lag er am Fuß eines 20 m hohen Mastes. Auch auf dem Dach des Gebäudes prangten noch die traurigen Reste einer UKW-Gruppenantenne, kaum noch als solche zu identifizieren.

Da die meisten Inseln nicht durch Brücken miteinander verbunden sind, gibt es sehr viele Fähren. Eine davon benutzten wir, um nach Klaksvik zu gelangen. Die Fahrt durch wunderschöne Fjorde genossen wir bei sehr gutem Wetter. Wir kauften natürlich einige Reiseandenken und Postkarten; die Daheimgebliebenen sollen ja auch bedacht werden. Die Straßen auf den Inseln sind in einem recht guten Zustand. Man muß sich nur ständig vorsehen, um nicht eines der unzähligen Schafe anzufahren, die fast überall frei umherlaufen.

Am 19.06. begannen wir bereits zeitig damit, alles abzubauen und in die Autos einzuladen. Danach mußte das Haus noch aufgeräumt und auch gereinigt werden, einschließlich Geschirr und Besteck; wir wollten letztlich keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Nach vollbrachter Arbeit saßen wir noch stundenlang zusammen und zogen eine erste Bilanz. Wir waren ziemlich zufrieden angesichts der erreichten QSO-Zahlen; die Fahrt hatte sich also gelohnt. Auch die Zusammensetzung des Teams war richtig gewählt; die Hereinnahme von Claus-Dieter mit seinen exzellenten Antennenkenntnissen war ein Glücksgriff.

Am anderen Morgen ging es sehr früh los. In Tórshavn mußten noch die Hausschlüssel abgegeben werden. Dann ging es wieder auf die Fähre und die Fahrt Richtung Heimat begann.

Während der Überfahrt war es sehr stürmisch, so daß das Vordeck gesperrt war; meterhohe Brecher hätten dort stehende Menschen sofort ins Meer gerissen. Trotz seiner Größe schaukelte das Schiff ziemlich stark, richtig seekrank wurde allerdings - zumindest von uns - niemand. Jedoch muß ich gestehen, zeitweilig wurde mir im Magen etwas mulmig. Die See wurde erst wieder merklich ruhiger, als wir vom Atlantik wieder in die Nordsee kamen.

Kurz vor der Ankunft in Esbjerg gab es doch noch ein ernsthaftes Problem. Wir durften schon zu den Fahrzeugen und hatten bereits alle persönlichen Dinge (Schlafsack, Waschzeug, pp.) eingeladen, als Reinhard erklärte, der Autoschlüssel stecke in der Fahrertür fest. Er ließ sich zwar bewegen, konnte aber nicht mehr abgezogen werden. Wir versuchten lange, das Malheur zu beheben, wollten aber nicht Gewalt anwenden, da es keinen Reserveschlüssel gab. Schließlich wandten wir uns an einen Angehörigen der Crew, der wiederum den zuständigen Offizier verständigte. In der Zwischenzeit hatten wir im Hafen angelegt und die übrigen Fahrzeuge fuhren nach und nach vom Schiff. Gott sei Dank stand der Wagen in der vorletzten Reihe, so daß zunächst keine Eile geboten war. Auch die Hinzuziehung eines Technikers verschaffte nicht den gewünschten Erfolg. So langsam wurde die Situation prekär, sollte das Schiff doch noch am gleichen Tage wieder auslaufen. Da das Lenkradschloß eingerastet war, konnte der Wagen auch nicht ohne weiteres vom Schiff geschoben werden. Also wurde der Wagen ein Stück vorwärts geschoben, angehoben und wieder gerade in Fahrtrichtung gestellt; geschoben, angehoben und wieder gerade gestellt; usw., usw., usw. Die letzten rd. 20 Meter wurde ein Gabelstapler als Zugfahrzeug verwendet, weil es zur Pier bergan ging. Dort nahm sich dann ein Crewmitglied der Tür an. Als gelernter Automechaniker hatte er relativ schnell die Türverkleidung ab- und das Schloß ausgebaut. Dann konnte der Schlüssel abgezogen werden. Wie sich später herausstellte, war im Schloß ein Verriegelungsbolzen gebrochen. Somit konnte die Fahrt weitergehen, auch wenn die Fahrertür nicht mehr abgeschlossen werden konnte. Der freundliche Matrose nahm erst nach vielem Zureden das Trinkgeld an; es gibt also auf der Welt doch uneigennützige Helfer.
 


Die Fahrt ging nun weiter nach Hause, wo wir in der Nacht zum Sonntag wohlbehalten, aber ziemlich erschöpft ankamen. Insgesamt legten wir mit dem Wagen rd. 1900 km zurück und waren rd. 76 Stunden auf der Fähre. Alles in allem hat auch diese Exkursion sehr viel Spaß gemacht und ist als voller Erfolg anzusehen. Also, auf ein neues.
 


 

Abschließend möchte ich es nicht versäumen, an dieser Stelle meinen Freunden zu danken, die mir in den letzten Tagen auf den Faeroer-Inseln, aber auch danach, sehr geholfen haben, schwere Schicksalsstunden zu meistern. Bei einer Funkverbindung nach Gladbeck wurde mir mitgeteilt, daß meine Mutter plötzlich verstorben war. Ich weiß nicht, wie ich die richtigen Worte für ihre Unterstützung finden soll. Nehmt es bitte so, wie es hier steht: DANKE.

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